Das Leben in Schwarz…

So lautet der Untertitel des Films Vita Nigra von Inga Siebert. Man merkt, das diese Produktion echt ist und trotz der Ausstrahlung beim mdr nicht in irgendwelcher Weise verdreht wurde oder so – wie es so manch anderer Sender mit 3 Buchstaben gern tut.
In der Doku wird explizit auf einige Fragen und Statements eingegangen, die ich an dieser Stelle aufgreifen möchte und meine eigenen Antworten dazu verfassen will. Also viel Spaß beim lesen ^^

Die Menschen der Szene:

Was macht uns aus?
Nun, was jeden Menschen egal ob Teil einer Szene oder nicht ausmacht, das ist die eigene Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter und dadurch verändert sich der Mensch. Allerdings unterliegt der Mensch auch einer allgemeinen „Krankheit“ und diese nennt sich technischer Fortschritt. Dadurch wird das Leben immer schneller und kurzatmiger. Die meisten Menschen bemerken diesen Umstand nicht und hier kommen einige Züge der Menschen der Szene zum Vorscheinen. Denn mir ist vermehrt aufgefallen, das „unsereins“ wesentlich feinfühliger auf Veränderungen reagiert. Natürlich bringt der aktuelle Stand der Technik auch verdammt viele Vorteile, doch es gibt kaum eine Person in der Szene, die dieser „immer schneller, immer besser, immer mehr“ Einstellung unterliegt.
Aber es gibt sicherlich noch weitaus mehr, die dazu beitragen, das Menschen die nicht in der Szene sind uns als etwas anderes sehen – oder besser wie es eine Bekannte von mir einmal sagte: „Wenn man unter schwarzen Leuten so wie du einer bist ist, ist die Atmosphäre eine völlig andere!“

Was verbindet uns?
Die Verbindung innerhalb der vielschichtigen schwarzen Szene liegt meines Erachtens daran, das man eben viele Interessen teilt. Sei es die gleiche oder ähnliche Musik, die Vorliebe fürs Vergängliche oder einfach nur das man eben auf einer Wellenlänge ist, da auch die Ansichten ähneln. Es gibt viele Gründe die verbinden können und das sind in den seltensten Fällen negative Sachen – wie es sich die meisten die sich nicht mit dem Thema auskennen zuerst einmal denken mögen.

Was wollen wir darstellen?
Diese Frage hat mir mein Onkel vor knapp 4 Jahren immer wieder gestellt, denn er wollte es wohl nicht wahr haben, dass das wie ich mich gebe oder wie ich aussehe keine Verkleidung ist – sondern ich mich so einfach am wohlsten fühle. Ich bin davon überzeugt, das es ganz zu Anfang der Gothic Szene noch im Vordergrund stand etwas neues darzustellen und sich gleichzeitig gezielt von all dem bis dahin bekannten abzugrenzen. Heutzutage ist diese Abgrenzung eher eine Nebenerscheinung. Man gibt sich wie man sein will, ohne gezielt etwas dar zu stellen außer sich selbst. Denn eines ist und bleibt eine Tatsache: Jeder Mensch ist ein Selbstdarsteller und das sowohl bewusst als auch unbewusst! 

Worin liegt der Sinn?
Die Szene an sich ist toleranter als die normale Gesellschaft. Zwar gibt es immer wieder Diskussionen zu dem Thema, weil sich vor allem Neulinge eine andere Art von Toleranz vorstellen und es mitunter die sogenannte „Elite“ dem ein oder anderen schwer machen, der Szene die Toleranz abzunehmen, aber ich spreche da eine bestimmte Art von Toleranz an. Diese hat nämlich mit dem Vorurteil zu tun, das sich alle ritzen bzw. Suizid gefährdet sind. Dieses Vorurteil stimmt nämlich nicht! Es ist viel mehr so, das Leute mit solcherlei Problemen in der Szene akzeptiert werden und über die Probleme offen reden kann ohne gleich abgestempelt zu werden. Es gibt also sicher genauso viele Menschen mit Problemen in der normalen Gesellschaft, nur verstecken sie sich dort, denn wenn man dort offen zu seinen Problemen steht, wird gleich als „Gesellschaftsproblem“ abgestempelt.
Doch das ist immer noch nicht der Sinn der Gothic Szene – Auffangbecken für die „Verstoßenen“ zu sein – doch für viele ist es ein Ruhepol mit anderen, die ähnlich denken zusammen zu sein. Der Sinn hinter der Szene liegt wohl also mehr darin, eine Gemeinschaft zu haben. Wenn man es also stumpf vergleichen will ist die Szene also wie ein Verein, bei dem man allerdings keine Verpflichtungen eingehen muss – eine Gesellschaft neben der Gesellschaft.

Wer sind wir?
Wer wir sind, das entscheidet jeder für sich allein und das auch unabhängig ob Teil einer Szene oder der normalen Gesellschaft. Es ist also nicht pauschal zu sagen: „so und so sind die Gruftis und so nicht…!“ Entgegen der weitläufigen Meinung ist es auch nicht unmöglich Teil der Szene zu werden. Gerade in der heutigen Zeit ist ein erster Kontakt relativ schnell gemacht und genauso schnell wird einem dann auffallen, das auch Szenemenschen in erster Linie nur Menschen sind…

Die Szene aus persönlicher Sicht:

Wie hat alles begonnen?
Anfang der 1980er Jahre entstand die Gothic Szene… doch im Grunde kennt doch schon jeder Hans und Franz die Entstehungsgeschichte der  Szene (dank Wiki). Daher nehme ich diese Frage genauso wie die Menschen in dem Eingangs erwähnten Film und erzähle wie es bei mir begonnen hat. Wer schon länger meine(n) Blog(s) liest, der wird dies jetzt zum wiederholten Male lesen können.

Also ich habe bereits in der Grundschule eine unheimliche Vorliebe für alles Japanische gehabt. In dem Punkt sind 2 Sachen schuld: 1. der Anime Sailor Moon, den ich bereits geschaut habe als ich gerade mal 4 Jahre alt war und 2. habe ich mit 9 Jahren das erste Mal ein Musikvideo der J-Rock Band Mucc gesehen… und das war mein Anfang in der Visual Kei Szene. Die Visual Kei Szene hat im Grunde allerdings nichts mit der Gothic Szene zu tun doch ist die Szene schuld daran, das ich inzwischen in der Grufti-Schublade meinen Platz gefunden habe ^.~
Denn die meisten sehr düsteren VK Bands haben sich häufig von einschlägigen Goth Bands inspirieren lassen – so auch eine meiner Lieblingsbands Moi dix Mois, deren bekanntester Member Mana-sama die Sisters of Mercy als Inspirationsquelle nutzte. So bin ich auch auf die entsprechende Musik gekommen – wer es noch nicht mitbekommen hat: die Sisters sind eine meiner liebsten Bands.

Wie ihr also sehen könnt spielt bei mir die Musik eine ganz große Rolle auch wenn im Laufe der Jahre auch optisches und andere Faktoren dazu gekommen sind, warum ich gern in der Schublade stecke…

Was bedeutet „Gothic“?
Das ist eine Frage, die schon viele hitzige Diskussionen los getreten hat. Für die einen ist „Gothic“ bereits tot, andere sind der Meinung das man als Goth geboren wird und wieder andere sind davon überzeugt, das es sich um eine Lebenseinstellung handelt in der weder Musik noch die Optik eine Rolle spielt.
Was ich damit sagen will ist, das man „Gothic“ nicht allgemein erklären kann! Das einzige was geht, ist es für einen selbst zu definieren – also was man selbst damit verbindet und vielleicht finden sich einige Leute, die die Szene genauso definieren wie man selbst.
Meine persönliche Definition habe ich bis jetzt ehrlich gesagt noch nie in Worte gefasst und sie hat sich im Laufe der Jahre auch verändert. Als ich in die Szene kam habe ich sie vor allem über die Musik definiert. Dann habe ich allmählich angefangen immer mehr dunkle bzw. schwarze Kleidung zu tragen – und schwupps habe ich mich selbst und die Szene über die Kleidung definiert. Denn es gab auch Zeiten in denen ich vor dem Kleiderschrank stand und mir sagte: „Heute will ich kein VK tragen sondern eher Gothic!“ dies ist einem ja auch nicht zu verübeln, da die mir damals eher bekannte Visual Kei Szene tatsächlich in erster Linie über die Kleidung definiert wird.

Heute höre ich die Musik die mir gefällt und wenn ich in meinen Kleiderschrank greife überlege ich nicht mehr was ich darstellen will, ich überlege nur wie das Wetter wird und ob ich mehr Lust habe Rock oder Hose zu tragen. In gewisser Weise ist „Gothic“ für mich im Laufe der Jahre eben ein Teil von mir geworden – ja eine Lebenseinstellung. Vieles, was mich interessiert passt perfekt in die Schublade und das meist ohne das ich es merke. Ich interessiere mich sehr fürs morbide und fühle mich wohl im dunklen düsteren.
Ich persönlich finde, wenn einen die anderen in die Grufti Schublade stecken und man selbst einfach nur das macht und sich für das interessiert was einem gefällt dann muss man sich selbst immer noch nicht als ein Grufti sehen andererseits kann man sich selbst auch als einer sehen auch wenn es kein anderer sieht. Das ist eben alles der persönlichen Definition von „Gothic“.

So und auch wenn  ich es immer noch nicht klar definiert habe, hoffe ich das ihr versteht wie ich das Thema für mich definiere. Was da außerdem noch dazu kommt ist die Tatsache das „Gothic“ für mich auch Freundschaft bedeutet. Denn ich habe in der Szene meine ersten richtigen Freunde gefunden, zu denen ich auch länger als ein Jahr Kontakt habe! Es ist einfach unglaublich entspannend und auch befreiend mit jemandem zusammenzutreffen, der ähnliche oder auch gleiche Ansichten hat wie ich. Und die Tatsache das einem einige Eigenschaften die in der normalen Gesellschaft übel genommen (und an die Große Glocke gehängt) werden  in der Szene eben zu einer Nichtigkeit zusammenschrumpfen und einem das Mensch sein nicht abgesprochen wird. Entschuldigt diese schwammige Ausdrucksweise aber ich bin sicher der ein oder andere von euch weis genau was ich meine…

Ein Leben für die Ästhetik
Ästhetik wird von Wikipedia als „die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst.“ definiert. Und da kommt einem das nicht (mehr) überraschend vor, wenn ich der Meinung bin das Ästhetik eine große Rolle in der Szene spielt. Es gibt ja nicht umsonst die Schwarzromantiker (auf die ich an anderer Stelle näher eingehen will), die wirklich zum Teil wie wandelnde Kunstwerke aus einem verträumten schönen viktorianischen Zeitalter aussehen. Genau das gleiche gilt für Steampunk und so manch anderen Stil der Szene. Und was auch noch schön ist, ist die Tatsache das Ästhetik jeder anders auslegen kann – so finde ich den Film über verschiedene Todesarten, den Brigitte und Ginger (die Hauptcharaktere aus der Ginger Snaps Trilogie) gedreht haben und der zu beginn des Films Ginger Snaps – Das Biest in Dir gezeigt wird Ästhetisch…

Welche Bedeutung hat die Kleidung?
Wie ihr schon gelesen habt, ist für mich die Kleidung ein wichtiger Punkt in der Szene, auch wenn es für mich heute nicht mehr so eine große Rolle spielt wie früher – was wohl auch daran liegen könnte, das es egal ist was ich anziehe ich komme immer als Grufti oder zumindest als „anders“ rüber. Damit meine ich, das ich auf der Arbeit, trotz der Tatsache das wir Kleidung vom Arbeitgeber gestellt bekommen und somit alle das selbe tragen, schon ein zwei Mal darauf angesprochen worden bin ob ich in der Szene sei.
Wie dem auch Sei, es heißt immer noch nach wie vor „Kleider machen Leute!“ und dies gilt auch oder vor allem für eine Szene die ursprünglich in dem Gedanken der Abgrenzung entstanden ist. Für mich persönlich ist die Kleidung ein Weg mich optisch auszudrücken – wie bei vielen anderen auch. Als ich angefangen habe vermehrt schwarze Kleidung zu tragen, ist mir außerdem noch aufgefallen, das ich mich in den Klamotten am wohlsten fühle. Allgemein hat die Farbe Schwarz auf mich eine beruhigende Wirkung. Daher ist es wohl auch nicht verwunderlich warum ich in dem Punkt das Klischee erfülle und überwiegend schwarze Kleidung trage.

Was bringt die Zukunft?
Allgemein zu schwarzen Szene ist zu sagen, das sie sich eine Richtung entwickeln zu scheint denen vielen missfällt. Denn die Gothic Szene war bis jetzt immer der größte Teil der schwarzen Szene doch dieser Rang wird ihr Stück für Stück von der Cyber Szene abgelaufen. Das bedeutet also das in der Clublandschaft wesentlich öfter Musik von Schooter zu hören ist, als von Cinema Strange zu hören ist. Die bedeutet das sich etliche „Alteingesessene“ zurückziehen und sich lieber bei einem guten Glas Wein einen Film zu Gemüte führen anstatt raus zu gehen.
Mich stört das herzlich wenig da ich sowieso eher mit Freunden etwas unternehme, anstatt auf eine Party zu gehen.Und ich denke ich werde früher oder später wohl zu denjenigen gehören werde die ich zuletzt erwähnt habe. Dies zeigt aber auch das ich nicht denke in absehbarer Zeit mich aus der Szene zurück zu ziehen und (wieder) Teil der normalen Gesellschaft zu werden. Dafür gibt mir die Szene einfach zu viel!

Und das waren auch schon meine Gedanken zu den Fragen des Films Vita Nigra. Wie steht ihr dazu und was denkt ihr über meine Ausführungen? Stimmt ihr überein oder seht ihr die Dinge anders als ich? Ich würde mich über eure Meinung und Ansichten freuen ^^

Wer den Film noch nicht gesehen hat,, von dem ich hier die Ganze Zeit rede, der kann das in der mdr-Mediathek nachholen. Ich verline einmal den Film an dieser Stelle *klick*

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Über ichigo_komori91

Ich bin ein nähbegeistertes Etwas, zeichne, male und schreibe gern Gedichte und Songtexte. Außerdem habe ich ein großes Interesse an der Japanischen Sprache und Kultur. Ich liebe und lebe mit der Natur, auch wenn diese mich mit Knoblauch- und Sonnenallergie straft ;)

Veröffentlicht am 16. Juni 2014 in Alltagsschwarz, morbide Ästhetik und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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