Wie weit muss man gehen…?

Zum heutigen Blogeintrag wurde ich tatsächlich mal von der Schule, genauer gesagt dem Politikunterricht am Donnerstag inspiriert.  Einige aus der Klasse haben am Abend zuvor Stern TV gesehen, in dem es u.a. um Tierversuche im Max-Planck-Institut. Dort werden sogenannte „Grundlagenversuche“ an Affen durchgeführt, die wesentlich schlimmer behandelt werden als auf der Homepage des Instituts angepriesen (mal ganz davon abgesehen, das ich noch nicht mal nach genauerem Suchen die im Beitrag erwähnten Videos und Texte auf der Seite gefunden habe)…

Natürlich wissen wir mehr oder weniger bewusst das die Tieren in Tierversuchslaboren meist, wenn nicht sogar immer schlimmer behandelt werden als offiziell zugegeben, aber Beiträge wie der von Stern TV lässt die Menschen über kurz oder lang darüber nachdenken.

Als ich nach der Schule nach hause kam, habe ich ein wenig recherchiert und sowohl den Bericht mit Fotos, sowie den Fernsehbeitrag, der auf der offiziellen Facebookseite von Stern TV veröffentlicht worden ist, gefunden. Beides habe ich hier jetzt mal verlinkt (siehe Textstellen oben), aber Vorsicht das ist nichts für zart besaitete… 

Die Diskussion dazu in unserer Klasse war relativ interessant, besonders weil man gesehen hat das dieses Thema die Klasse quasi in 3 Lager spaltet:

  • die überaus Betroffenen, die über diesen Beitrag nicht hinweg kommen
  • die, die das Ganze logisch angehen, aber sehen das sie an der Situation so nicht viel ändern können
  • und diejenigen die das Thema absolut nicht interessiert

Ich selbst beschäftige mich schon seit geraumer Zeit mit dem Thema Tierschutz und bin seit gut einem Jahr eingetragenes Mitlied im NABU Schleswig-Holstein/Hamburg. Von daher ist mir auch das Tierschutzgesetz (kurz TierSchG) nicht unbekannt. Das Thema Tierversuche ist da immer wieder ein eisiger Pfad mit dünnen Stellen. Denn es besteht nun mal das Gesetz, das z.B. Medikamente so lang an Tieren ausprobiert werden müssen, bis keine wesentliche Gefahr mehr für den Menschen besteht. Allerdings steht im TierSchG zum Thema Tierversuche folgendes:

§ 7

(1) Die Vorschriften dieses Abschnitts dienen dem Schutz von Tieren, die zur Verwendung in Tierversuchen bestimmt sind oder deren Gewebe oder Organe dazu bestimmt sind, zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet zu werden. Dazu sind

1. Tierversuche im Hinblick auf

a) die den Tieren zuzufügenden Schmerzen, Leiden und Schäden,
b) die Zahl der verwendeten Tiere,
c) die artspezifische Fähigkeit der verwendeten Tiere, unter den Versuchseinwirkungen zu leiden,
auf das unerlässliche Maß zu beschränken und

2. die Tiere, die zur Verwendung in Tierversuchen bestimmt sind oder deren Gewebe oder Organe dazu bestimmt sind, zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet zu werden, so zu halten, zu züchten und zu pflegen, dass sie nur in dem Umfang belastet werden, der für die Verwendung zu wissenschaftlichen Zwecken unerlässlich ist.

Weiter Unten steht dann aber:

§ 7a

(1) Tierversuche dürfen nur durchgeführt werden, soweit sie zu einem der folgenden Zwecke unerlässlich sind:

1.Grundlagenforschung,
2.sonstige Forschung mit einem der folgenden Ziele:

a)Vorbeugung, Erkennung oder Behandlung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder körperlichen Beschwerden bei Menschen oder Tieren,
b)Erkennung oder Beeinflussung physiologischer Zustände oder Funktionen bei Menschen oder Tieren,
c)Förderung des Wohlergehens von Tieren oder Verbesserung der Haltungsbedingungen von landwirtschaftlichen Nutztieren,

3.Schutz der Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen oder Tieren,
4. Entwicklung und Herstellung sowie Prüfung der Qualität, Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit von Arzneimitteln, Lebensmitteln, Futtermitteln oder anderen Stoffen oder Produkten mit einem der in Nummer 2 Buchstabe a bis c oder Nummer 3 genannten Ziele,
5.Prüfung von Stoffen oder Produkten auf ihre Wirksamkeit gegen tierische Schädlinge,

(2) Bei der Entscheidung, ob ein Tierversuch unerlässlich ist, sowie bei der Durchführung von Tierversuchen sind folgende Grundsätze zu beachten:

1.Der jeweilige Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist zugrunde zu legen.
2. Es ist zu prüfen, ob der verfolgte Zweck nicht durch andere Methoden oder Verfahren erreicht werden kann.
3. Versuche an Wirbeltieren oder Kopffüßern dürfen nur durchgeführt werden, wenn die zu erwartenden Schmerzen, Leiden oder Schäden der Tiere im Hinblick auf den Versuchszweck ethisch vertretbar sind.
4. Schmerzen, Leiden oder Schäden dürfen den Tieren nur in dem Maße zugefügt werden, als es für den verfolgten Zweck unerlässlich ist; insbesondere dürfen sie nicht aus Gründen der Arbeits-, Zeit- oder Kostenersparnis zugefügt werden.

Wer sich jetzt den Bericht vom Anfang angeschaut hat oder zumindest die Bilder gesehen hat, der wird sich wohl fragen ob da nicht §7a Absatz 2 Punkt 2 und Punkt 3 nicht einfach außen vor gelassen worden sind. Und auch bei der Reaktion einiger meiner Mitschüler habe ich ernsthaft überlegt ob ihnen der Betrag nicht doch so sehr zu denken gegeben hat, das sie sich grundlegend ändern, was das Thema angeht…

Und dann frage ich mich folgende Dinge:

  • Wie weit müssen die Medien gehen, damit die Menschen mal beginnen nachzudenken?
  • Wie weit muss man selbst abgestumpft sein um wissentlich das Leid der Tiere an einem vorbeiziehen zu lassen?
  • Und wie weit solle der Tierschutz gehen?

Gerade der letzte Punkt kann einen doch stark beschäftigen, denn man kann es extrem machen und so anfangen zu leben wie einem Peta immer wieder versucht schmackhaft zu machen – nämlich 100% Vegan. Man kann es aber auch so machen wie der NABU, dieser schreibt einem nämlich nicht vor wie man sich am besten ernähren kann/ soll, aber für Tierrechte einstehen das ist eine Selbstverständlichkeit. Es gibt natürlich noch unzählige weitere Tierschutzvereine die mehr oder weniger radikal für Tierrechte eintreten. Wem man jetzt sein Gehör  schenkt bleibt meiner Meinung nach jedem selbst überlassen, denn egal für was man sich in der Hinsicht entscheidet – angefeindet wird man immer.

Aber dazu in einem anderen Blogeintrag mehr (denn sonst würde dieser hier eindeutig zu lang werden) ^^

Über ichigo_komori91

Ich bin ein nähbegeistertes Etwas, zeichne, male und schreibe gern Gedichte und Songtexte. Außerdem habe ich ein großes Interesse an der Japanischen Sprache und Kultur. Ich liebe und lebe mit der Natur, auch wenn diese mich mit Knoblauch- und Sonnenallergie straft ;)

Veröffentlicht am 12. September 2014 in Persönliches, Tiere und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Hat dies auf Mein schwarzes Leben rebloggt und kommentierte:
    Die Menschheit ist abgestumpft. Nicht alle, aber der Großteil. Und weil jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, verhallen diese Rufe zwar nicht ungehört, aber größtenteils unbeachtet im Wind der Zeiten ….

  1. Pingback: Grundlagenforschung führt zur Grundsatzdiskussion… | the music box of a morbid wonderland

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