Blogbattle no. 20 – Selbstverständlichkeit

Wie selbstverständlich schüttel ich heute eine Interpretation aus dem Ärmel… oder auch nicht, denn Selbstverständlichkeit ist nicht Selbstverständlich. Ich habe bei den Überlegungen zum heutigen Thema nämlich festgestellt, das für mich wohl vieles Selbstverständlich ist, was für etliche wohl undenkbar scheint.

Nehmen wir als Beispiel folgendes: eine ältere Dame, die schon recht wackelig auf den Beinen ist, steigt in einen schon sehr vollen Bus. Für mich ist es dann selbstverständlich, dass jemand aufsteht und der Dame seinen Sitzplatz anbietet. Doch wer macht das heutzutage schon noch? – Kaum einer und wenn sind es meistens die Menschen von denen man das Verhalten am wenigsten erwartet. Okay, ich für meinen Teil mache das auch recht selten (öfter in der Bahn als im Bus), was aber daran liegt, das ich eine Gleichgewichtsstörung habe und nicht scharf darauf bin wie die Ziege im Spiel Goat Simulator durch den Bus zu fliegen (zum Link: Vorsicht brain fuck).Allerdings verstehe ich nicht, warum es kaum noch einer für selbstverständlich hält aufzustehen, schließlich kann ja nicht jeder eine Gleichgewichtsstörung haben oder aus Japan kommen. Dort ist es nämlich selbstverständlich, das man sitzen bleibt. Es sei denn man kennt die Person für die man aufsteht sehr gut oder man ist ihr noch einen Gefallen schuldig. Steht man für jemanden fremdes auf, ohne gefragt zu werden, ist die fremde Person einem gegenüber verpflichtet und schuldet demjenigen der aufgestanden ist somit einen Gefallen. Das kann mitunter recht ansträngend werden, denn wer einem einen Gefallen tut, dem werden von der Person oft selbst wider Gefallen getan – und so kann ein immerwährender Kreislauf entstehen.

Wo wir gerade beim Thema Japan sind, es gibt noch zwei weitere Selbstverständlichkeiten, die hier in Deutschland so nie funktioniern würden. Erstens gibt es z.B. keine öffentlichen Mülleimer und trotzdem sind die Straßen – auch bzw. gerade – in Großstädten wie Tokyo blitzeblank. Das kommt daher, dass es selbstverständlich ist, dass jeder seinen Müll in die Tasche steckt und zu hause entsorgt. Zweitens kann man in Cafés oft herrenlose Taschen sehen, die dazu dienen den Sitzplatz zu reservieren. Ich habe zwar gehört, das inzwischen öfters mal vor Taschendieben gewarnt wird, aber im großen und Ganzen geht bei den Taschen keiner bei.

Wenn ich da so an die „Kundenmentalität 2.0“ denke, die in Deutschland so vorherrscht: Der Müll wird auch gern mal im Geschäft zwischen den Klamotten, die zuvor durchwühlt worden sind und nun nicht mehr nach Größen sortiert und ordentlich gefaltet auf dem Verkaufstisch, sondern in einem kunstvoll zusammen geschmissenen Haufen darauf liegen. Aufräumen kann das ja das Verkaufspersonal, schließlich werden die dafür bezahlt. Außerdem ist sich jeder selbst der nächste und wenn man schon so protzig mit seinen 100€ Scheinen durch die Gegend wedelt, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Geldbörse auf einmal Beine bekommt und aus der Tasche, die man mit sich herumschleppt direkt in die Arme einer anderen Person rennt…

Und da soll nochmal einer sagen, das meine Liebe zu Japan schwachsinnig sei!

mehr oder weniger Selbstverständlich haben auch meine Mitstreiter heute etwas geschrieben und das findet ihr hier:

– Schakal
– Wetterschaf
– DychterFyrst setzt immer noch aus
– Sebastian
– Chelsea
– Justine
– Lilly
– Laura
– Dark Lord

 

Über ichigo_komori91

Ich bin ein nähbegeistertes Etwas, zeichne, male und schreibe gern Gedichte und Songtexte. Außerdem habe ich ein großes Interesse an der Japanischen Sprache und Kultur. Ich liebe und lebe mit der Natur, auch wenn diese mich mit Knoblauch- und Sonnenallergie straft ;)

Veröffentlicht am 14. Juni 2015 in BlogBattle und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Wieder was gelernt. Sehr schöner Beitrag. 🙂 Ich geb dir dafür eine 1.

  2. Auch deine Argumentation ist heute sehr gut gelungen, auch dafür eine 1

  3. Lach – ein wirklich gelungener Post 1

  4. Interessant wie so oft, aber etwas kurz. Zwei plus.

  5. An den Japanern sollten wir uns in mancherlei Hinsicht vielleicht mal ein Beispiel nehmen. Als wir gestern im Park hinter der Uni unterwegs waren sah es dort aus wie auf einer Müllhalde. Anscheinend hatten tags zuvor einige das super Wetter genutzt um dort zu grillen und zu picknicken. Was zum Henker ist so schwer daran seinen Müll in einen der bereit stehenden Mülleimer zu werfen oder ihn wieder mit zu nehmen falls diese voll sind???

    Ich schließe mich der 1 an.

  6. Direkt und konkret – eine 1 dafür.

  7. Japan steht auch auf meiner Liste, wo ich gern ma hinwill 🙂
    Bekommst eine 1 🙂

  1. Pingback: Das Ende vom Blogbattle | the music box of a morbid wonderland

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