Das Neujahrsfest in Japan

Silvester ist hierzulande schon fast eine Woche her und auch in Japan dürften allmählich alle Geschäfte wieder geöffnet sein. Denn anders als viele denken feiert man in Japan das Neujahrsfest ebenfalls am 1. Januar und das dann auch nicht zu knapp!

Schließlich ist das Neujahrsfest der Höhepunkt des Jahres und wird mit der Familie gefeiert. Schulkinder haben Ferien, Geschäfte und andere Unternehmen sind zwischen 29. Dezember und 4. Januar geschlossen. Nur einige Fastfood-Ketten, Hotels und Restaurants bleiben an Neujahr geöffnet.

Diese müssen auch geöffnet bleiben, denn an Neujahr wird in Japan nicht gekocht. Dieser Brauch geht vermutlich auf den chinesischen Volksglauben zurück, nach dem der Küchengott zu Neujahr in den Himmel aufsteigt, um über die guten und schlechten Taten der Familie zu berichten. Mein Hamster sollte also nächstes mal nachschauen, ob sein „Küchengott“ (so nennt er seine Küchenmaschine) an Neujahr noch auf dem Schrank sitzt, oder ob sich dieser die Japaner zum Vorbild genommen hat ^.~

So oder so gilt es als gefährlich, während der Abwesenheit des Küchengottes einen Kochlöffel zur Hand zu nehmen, den Herd zu befeuern oder scharfe Messer zu schwingen. Daher werden für den Neujahrstag kalte Speisen vorbereitet. Am interessantesten finde ich hier den 鏡餅 also Kagamimochi (siehe Bild rechts).

Kagamimochi  besteht aus zwei unterschiedlich großen Scheiben Mochi (also einer Art Reiskuchen) und einer Daidai, einer Orange. Dazu kommen eventuell noch weitere Dekorationen wie Bänder und co. Mit der Zeit wird das weiche Mochi hart und trocken und bekommt außen Risse. Am zweiten Wochenende im Januar wird das Kagamimochimit einem Holzhammer zerschlagen. Das zerschlagene Mochi wird anschließend (meist als Suppeneinlage) gegessen. Dies ist eine sehr alte Tradition, die heutzutage aber immer seltener Beachtung geschenkt wird, da sich viele Japaner inzwischen industriell hergestelltes und vorgeformtes Kagamimochi mit einer Orange aus Plastik kaufen. Dieses industriell hergestellte „Ding“ ist dann aber in den meisten Fällen nicht mehr zum Verzehr geeignet.

Wehrend man sich an an Neujahr selbst also den Feierlichkeiten hingeben kann, so ist die Zeit vor Neujahr sehr arbeitsintensiv, denn es werden die Räumlichkeiten denen der Familie zur Verfügung stehen auf Hochglanz gebracht (das kann man am ehesten mit dem in Deutschland bekannten Frühjahrsputz vergleichen) und außerdem versucht jeder vor Neujahr seine Schulden zu begleichen, wer das nicht schafft verliert sein Gesicht.

Darum haben Glückwunschkarten meist Hochsaison zum Jahreswechsel. Denn der Brauch ihren Bekannten Neujahrsgrüße zu senden ist nach wie vor in aller Munde. Oftmals sind die Karten wahre kleine Meisterwerke und daher auch sehr wertvoll und teuer. Die einfachsten Neujahrskarten werden von der Post vertrieben, sind mit einem Glückwunschgruß und dem Bild des jeweiligen Tieres des neuen Jahres bedruckt. Außerdem sind sie noch fortlaufend nummeriert, da sie als Loose für eine staatliche Lotterie gelten.

Übrigens ist das abschießen von Feuerwerkskörpern anders als bei uns nicht üblich und in vielen Wohngebieten wegen Feuergefahr sogar strikt verboten. Ein öffentliches Feuerwerk, wie es zumindest die Hamburger unter euch kennen dürften, gibt es anscheinend nur auf den Okinawa Inseln, die in Richtung Taiwan gelegen sind. Dafür erklingen zu Silvester dann um Mitternacht die Bronzeglocken buddhistischer Tempel.

Womit ich wieder einen Pluspunkt auf die Liste mit tollen Dingen in Japan setzen kann. Denn ich mit meiner Feuerphobie reagiere auf das blöde Silvestergeknalle meistens wie ein kleines verängstigtes Haustier… aber das ist eine andere Geschichte!

Advertisements

Über ichigo_komori91

Ich bin ein nähbegeistertes Etwas, zeichne, male und schreibe gern Gedichte und Songtexte. Außerdem habe ich ein großes Interesse an der Japanischen Sprache und Kultur. Ich liebe und lebe mit der Natur, auch wenn diese mich mit Knoblauch- und Sonnenallergie straft ;)

Veröffentlicht am 6. Januar 2016 in Japan und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: