Wer ist der Teufel?

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie ich der Frage „Woher kommen die Engel wirklich?„,nachgegangen bin? Nun wie der Titel verrät, gibt es heute eine Art Fortsetzung, in dem ich mich dem Gegenspieler aller Engel widme: dem Teufel.

satan-girl-hd-in-high-130872Für viele gilt: Gläubig oder nicht, der Teufel beunruhigt uns, stört uns oder macht uns Angst. Aber wissen wir warum das so ist?

Der Teufel ist nicht derjenige, den wir zu glauben meinen – zumindest wenn man von dem ausgeht, wie in der Regel von ihm gesprochen wird. Und wie das Bild vermuten lässt, muss der Teufel auch nicht immer männlich sein muss… aber fangen wir am Anfang an. Wie oft verraten nämlich die Ursprünge eines Wortes den genauen Sinn. Und genau so verhält es sich auch mit dem Teufel.  Der Ursprung verrät uns außerdem, dass unsere heutigen Interpretation und Ideen des Teufels eigentlich falsch sind.

Das Wort „Teufel“ stammt vom griechischen diabolos ab, was in etwa „derjenige, der hierhin und dorthin wirft, entzweit, teilt und verwirrt“, bedeutet. Es wurde von den griechischen Bibelübersetzern für das hebräische Wort für Ankläger (satân). In der hebräischen Tradition war die Rolle des Anklägers gegen die Rechtschaffenen vor dem jüngsten Gericht eine der Funktionen des Bösen. In den Augen der Griechen war der diabolos ein Ankläger, ein Verleumder und eine insgesamt weniger angenehme Gestalt.

Erst vom 9. Jahrhundert an wurde aus dem lateinischen diabolus das altfranzösische diaule bzw. deable, oder Dämon. Im 13. Jahrhundert verstand man unter dealtique („Teufelei“) das Anfertigen von Zaubertränken und Heilmitteln als Fachgebiet der Magie. Spätestens damit änderte sich der Wortsinn vom Ankläger der Antike – mit der Funktion des heutigen Staatsanwalts – zum mittelalterlichen – und heutigen Dämon. Und dieser ist in unserem Gedächtnis allgegenwärtig, auf ihn beziehen wir uns, ohne groß zu wissen, was das Wort wirklich heißt, denn es steht heutzutage nur noch für das leibhaftige Böse.

Der Dämon ist also sehr eng mit dem Teufel verbunden, jedoch hat auch das Wort Dämon im ursprünglichen Sinne eine andere Bedeutung. Ja, das Wort an sich hatte damals nichts Böses, nichts Negatives, nichts Unheilbringendes!

Erst Anfang des 14. Jahrhunderts erhielt Dämon die Bedeutung des teuflischen Geistes, des Bösen oder gefallenen Engels oder eben des Teufels. Bis dahin besaß der griechische daimôn die göttliche, gutartige Fähigkeit, zu teilen und verteilen. Daher kommt auch die oben erwähnte Bedeutung „hierhin und dorthin werfen“. Der daimôn war der Genius oder Schutzgeist eines jeden Menschen oder natürlichen Elements. Mit anderen Worten besaß er die gleichen Eigenschaften und Funktionen wie die berühmten Geister der Natur, die im 6. Jahrhundert den syrischen Mönch Dionysius Areopagita dazu inspirierten, seine himmlische Hierarchie zu entwickeln.

Das Verteilen bzw. das „Hierhin- und Dorthinwerfen“ bezieht sich also auf ein von daimôn offenbarten Grundprinzip: das Prinzip des Schicksals, ob nun günstig oder ungünstig. Der daimôn teilte jedem sein Schicksal zu, er war aber gleichzeitig ein Schutzgeist, der gute Geist, der Engel, den wir heute wohl eher als das gute Gewissen bezeichnen würden. Wer mit seinem Dämon verbunden blieb, verstand und befolgte die Stimme seines Gewissens. Er war folglich ein gerechter, guter Mann, dessen Eingebungen und Intuitionen vom Dämon stammten, aber auch von seinem eigenen Geschick und von seinen ererbten Eigenschaften.

Wie kam so ein gutartiger Einfluss auf den Menschen zu einer derart negativen, finsteren, üblen Bedeutung, dass man beim Wort Dämon oder Teufel nur noch ans Schlechte denkt? Paradoxerweise geht diese Entwicklung auf das griechische Wort indieuropäischen Ursprungs daiesthiai zurück. Es bedeutet teilen, verteilen, beraten und ist vom Wortstamm her mit dem griechischen Wort demos, das Volk oder die Bevölkerung, verbunden. Von diesem wurden wiederum Demokratie und Demiurg (Weltschöpfer) abgeleitet. Man brachte also den der das Volk führt oder für das arbeitet und dem Schutzgeist der Menschen in Verbindung.

Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass diejenigen deren Schicksal das Volk zu führen bzw. für es zu arbeiten, es nicht im Sinne des Volkes taten (und es heute noch tun *hust*). Von daher war dauerte es nicht lang, bis der daimôn, der über das Schicksal der Menschen bestimmte und eine schützende Rolle spielte, in den Augen der Menschen, seine ursprünglich gute Art auch einmal verraten und einen bösen Einfluss ausüben konnte.

So wurde aus dem gutartigen Dämon nach und nach ein böses, zerstörerisches Wesen. Die Tragödien, Verfolgungen, Kriege und Gewalt, die vornehmlich von Menschen mit einer starken und ehrgeizigen Perönlichkeit ausgingen, die von ihrer Macht unmäßigen Gebrauch machten oder die teilten um zu regieren, sind im Gedächtnis der Völker unvergessen – und das ist damals wie heute noch so. 

Heute leben wir nicht mehr im Mittelalter mit den damaligen Vorstellungen von der Geisterstunde, dem Hexensabbat, von Schwarzen Messen und Teufelskulten. Dennoch ist die Vorstellung vieler, die sie sich über solche „finsteren Praktiken“ machen, einfach überzogen.

Am häufigsten wird das Brauchtum der Wicca und andere „heidnische Riten“, die auf Glaubensideen zurückgehen, die lange vor dem Christentum existierten. Der böse Charakter, den man solchen Vorstellungen, Kulten und Riten zuschreibt, stellt eine totale Verzerrung ihrer ursprünglichen Bedeutung dar. Wer bei dieser Verzerrung die treibende Kraft war bzw. wie diese im einzelnen umgesetzt wurde, erläutere ich hier nicht weiter – es würde ganz einfach den Rahmen sprengen (außerdem wissen fleißige Leser unter euch, dass ich nicht um sonst eine starke Abneigung dem Christentum gegenüber habe).

Wenn man bedenkt, dass es zwar heißt, wir seien aus der Zeit heraus, in der alles, was die etablierte Ordnung sprengen könnte, dem Bösen, den Dämonen und dem Teufel zugeschrieben wurde und man dann wiederum mit offenen Augen durch die Welt geht, dann ist das Teufelsthema gegenwärtiger und missverstandener den je!

Darum wählte ich eingangs auch das Bild eines weiblichen Teufels…

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Über ichigo_komori91

Ich bin ein nähbegeistertes Etwas, zeichne, male und schreibe gern Gedichte und Songtexte. Außerdem habe ich ein großes Interesse an der Japanischen Sprache und Kultur. Ich liebe und lebe mit der Natur, auch wenn diese mich mit Knoblauch- und Sonnenallergie straft ;)

Veröffentlicht am 1. Juni 2016 in Wicca und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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