Raumnot in Japan

Wie der Text, den ich am Mittwoch veröffentlichte, ist auch dieser hier ein Text, der auf meiner Homepage zu finden war.

Ein bergiges Inselreich
Die japanischen Inseln sind auffallend gebirgig. Es gibt nur wenige, schmale Ebenen an den Küsten und in den Gebirgszügen selbst existieren kaum Beckenlandschaften. Daher konkurieren in diesen flachen Sektoren die Siedlungen der Einwohner mit landwirtschaftlichen Betrieben (besonders mit denen, die Ackerbau betreiben) und der Industrie stark miteinander
Im krassen Gegensatz dazu stehen die dünn besiedelten Lebensräume in Hokkaido. Die extrem ungleiche Bevölkerungsverteilung ist eine Folge der wirtschaftlich motivierten Binnenwanderung: Etwa 2/3 der gesamten Industrieproduktion Japans erfolgt in den Metropolregionen. Entsprechend sind hier auch die meisten Arbeitsplätze zu finden.

Japan begegnet dem Druck der Raumnot mit verschiedenen Projekten:

Die Neulandgewinnung
Bisher konnten ca. 900km² Neuland durch Aufschüttung von seichten Küstenabschnitten vor allem für die Industrie und Handeslhäfen gewonnen werden. In Kobe wurde so etwa nach 15-jähriger Bauzeit der Port Island eröffnet.
Woher stammt aber das Material für diese Form der Landgewinnung? Zum einen tragen die Japaner die Gipfel einiger küstennaher Berge ab und schüttenden gewonnenen Schutt in Küstengebieten bis 10m Tiefe und in Tälern auf. So erhalten sie nicht nur Neuland durch Aufschüttung, sondern auch neue Räume durch die Schaffung von Beckenlandschaften im Gebirge. Zum anderen erhalten sie das Aufschüttungsmaterial durch das Ausbaggern von Tiefseehäfen, welche so ihre Position als wichtige Exporthäfen halten können. Diese Form der Landgewinnung durch Aufschüttung mit natürlichen Ressourcen nennen die Japaner Jamakiri.
Die Probleme bei der Schaffung küstennahen Neulands ließen jedoch auf sich warten. Bei den häufig vorkommenden Erdbeben und Tsunamis kam es zu dem Verflüssigungseffekt: Das aufgehäufte Geröll-Sand-Gemisch begann zu rutschen und verhielt sich dabei ähnlich wie ein Fluss.

Um diesem Problem zu begegnen wurden die Aufschüttungen zum einen in Molen eingefasst, zum anderen wurde der Meeresboden vom Schlick befreit und so ein fester Untergrund geschaffen.
Die Landgewinnung rief aber auch die Umweltschützer und Fischer auf den Plan – sie fürchteten um die reichen Fischbestände und Muschelbänke in dem japanischen Schelfmeer. So mussten Ausgleichsflächen eingerichtet werden.
Eine dritte Lösung zur Neulandgewinnung wurde aus einer anderen Problematik geboren: den stetig wachsenden Müllbergen. Das Anwachsen der Müllberge in einem Land, in dem selbst Verpackung seine Tradition hat, verlangte nach neuen Lösungen. Eine Idee war, Japans enorme Raumnot durch Müllaufschüttung zu beheben. Allerdings beren die im Meer aus Müll, Schutt und Erde künstlich aufgeschütteten Inseln, wie der Flughafen Kansai – wegen der enthaltenen Schadstoffe Gesundheitsgefahren für die dort arbeitenden Menschen und die Tier- und Pflanzenwelt des Meeres.

Osaka: der Flughafen Kansai liegt im Meer vor dem Festland,
erbaut auf einer künstlich aufgeschütteten Insel

Alle Wege führen nach Tokyo
Mit kostspieligen Maßnahmen zur Verkehrserschließung de Landes, d.h. zu einem gezielten Ausbau der Verkehrswege, überwinden die Japaner ihre Raumprobleme, wie z.B. Gebirge und Inseln – und rücken die Hauptstadt in erreichbare Nähe. Die Megaprojekte finden weltweit Beachtung:
Seit 1997 unterquert der größte untermeerische Straßentunnel der Welt bestehend aus einer 4,4 km langen Brücke und dem 9,4 km langen eigentlichen Tunnel, die Tokyobucht. Der längte Meerestunnel der Welt, der Seikan-Eisenbahntunnel (54 km) verbindet seit 1985 die Inseln Honshu und Hokkaido, die längste Hängebrücke der Welt (Spannweite 1990 m) seit 1998 die Hafenstadt Kobe und die Insel Awaji.

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Über ichigo_komori91

Ich bin ein nähbegeistertes Etwas, zeichne, male und schreibe gern Gedichte und Songtexte. Außerdem habe ich ein großes Interesse an der Japanischen Sprache und Kultur. Ich liebe und lebe mit der Natur, auch wenn diese mich mit Knoblauch- und Sonnenallergie straft ;)

Veröffentlicht am 17. September 2016, in Japan. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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